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Events

«Sie sind viel zu bescheiden»

Sandra Liliana Schmid: Unternehmerin und Gründerin von «Unternehmerinnen Event».
Foto: zVg

Im Mai 2018 lancierte Sandra Liliana Schmid «Unternehmerinnen Event». Die Veranstaltungsreihe richtet sich speziell an selbständige Frauen. Diese sollten mehr gefördert werden, findet sie. Denn: Sie haben einiges zu bieten.

Frau Schmid, im Mai 2018 haben Sie die Plattform Unternehmerinnen Event ins Leben gerufen. Warum?
Auch ich bin Mitglied in verschiedenen Netzwerken und besuche häufig Veranstaltungen, denn ich weiss, dass 80 Prozent aller Jobs und Aufträge über Netzwerke vergeben werden. Meiner Meinung nach gehen die bestehenden Plattformen zu wenig auf die Bedürfnisse von selbstständigen Frauen als Einzelunternehmerinnen ein. Ausserdem fällt es Frauen meistens sehr schwer, richtig zu netzwerken, wenn es ums Geschäft geht. Sie stellen sich nicht ins Zentrum und können schlecht um Unterstützung anfragen. Sie sind viel zu bescheiden.

Welches Bedürfnis haben die Unternehmerinnen an den Events?
Die Frauen starten ihr Business meistens aus einer Leidenschaft heraus, doch häufig fehlt es ihnen an betriebswirtschaftlichem Know-how. Das hindert sie daran, ihr Geschäft erfolgreich zu entwickeln. An den Events lernen sie, sich zu präsentieren, sich zu verkaufen und zu vernetzen. Unternehmerinnen Event soll darum einerseits eine Übungsplattform bieten. Darüber hinaus ergeben sich durch die Events häufig Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Teilnehmerinnen. 

Warum reichen dafür die bestehenden Netzwerke nicht aus?
Es gibt viele Netzwerkmöglichkeiten. Das Problem ist, dass Frauen an solchen Veranstaltungen  selten auf neue Leute zugehen, sie unterhalten sich lieber mit ihren Bekannten. Am Ende war es zwar ein schöner Abend, aber fürs Business hat es nichts gebracht.

Brauchen Frauen eine spezielle Förderung als Unternehmerinnen?
Ich finde schon. Die meisten Frauen, die sich selbstständig machen, befinden sich in der zweiten Lebensphase. Sie bringen viel Berufserfahrung und Kompetenzen mit, die sie in die Wirtschaft hineintragen können – vor allem im Coaching, Gesundheits-, Ernährungs- oder Wellnessbereich. Oft scheitert es aber daran, dass sie ihr Business nicht auf den Boden bringen. Sie wissen nicht, wie sie nachhaltig zu Kunden kommen, wie sie sich im Markt positionieren oder wie sie gegen aussen kommunizieren sollen.

Wie unterstützen Sie die Selbstständigkeit der Frauen?
Zentral ist, dass die Unternehmerinnen lernen, sich richtig zu positionieren, damit sie und ihr Angebot wahrgenommen werden und dass sie nicht alles selber machen müssen. Dieser Anspruch  ist ein häufiges Handicap von Frauen. Dadurch verlieren sie Zeit und können sich schlecht aufs Kerngeschäft konzentrieren. Die Buchhaltung oder das Marketing kann man aber outsourcen. Vielleicht finden sie über unsere Plattform jemanden, der die Buchhaltung für sie erledigt. Mein Leitsatz ist stets: Gebt ab, was nicht zum Kerngeschäft gehört.

Was passiert konkret an den Events?
Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass sich Teilnehmerinnen im Vorfeld einen Referentinnen-Platz kaufen, sodass sie ihr Unternehmen auf dem Podium vorstellen können. Auch unsere Sponsoren Swiss Life und Bank Cler nutzen diese Möglichkeit von Zeit zu Zeit, um ihre Angebote für Selbstständige zu kommunizieren. Denn einige der Unternehmerinnen sind unterversichert und kennen sich im Versicherungs- und Finanzgebiet zu wenig aus.

Und wie geht es weiter?
Wir teilen uns in kleinere Gruppen von vier bis fünf Personen auf. Dann sollen die Frauen innerhalb von 30 Sekunden einander erklären, wer sie sind und was sie tun. Danach bleiben noch weitere fünf Minuten, in denen sie sich austauschen können. Anschliessend wechseln wir die Gruppen, sodass sich am Schluss alle kennengelernt und ausgetauscht haben. Schliesslich öffnen wir die Runde ins Plenum. Jede Teilnehmerin kann dann sagen, was sie im Moment braucht, um mit ihrem Business einen Schritt weiterzukommen. Auf diese Weise können sich die Unternehmerinnen direkt und unkompliziert weiterhelfen. Oft ergeben sich daraus wertvolle Kooperationsmöglichkeiten und Partnerschaften. Ausserdem gibt es an jedem Event tolle Preise von einigen der Teilnehmerinnen zu gewinnen, was zu Kundinnen und Empfehlungen führt.

Was wollen Sie mit der Eventreihe erreichen?
Ich wünsche mir, dass die Frauen ihr Potenzial ausleben können. Dass sie lernen, was es braucht, um Erfolg zu haben. Und dass sie sich in die Schweizer Wirtschaft integrieren und ein Teil davon werden.

 
Zur Person

Gründerin Sandra Liliana Schmid ist seit über 30 Jahren als Unternehmerin unterwegs. Heute führt sie die Schmid Advisory GmbH mit sieben Partnern in Zürich. Daneben hat die dreifache Mutter drei Bücher veröffentlicht. 

Events

«Sie sind viel zu bescheiden»

Sandra Liliana Schmid: Unternehmerin und Gründerin von «Unternehmerinnen Event».
Foto: zVg

Im Mai 2018 lancierte Sandra Liliana Schmid «Unternehmerinnen Event». Die Veranstaltungsreihe richtet sich speziell an selbständige Frauen. Diese sollten mehr gefördert werden, findet sie. Denn: Sie haben einiges zu bieten.

Frau Schmid, im Mai 2018 haben Sie die Plattform Unternehmerinnen Event ins Leben gerufen. Warum?
Auch ich bin Mitglied in verschiedenen Netzwerken und besuche häufig Veranstaltungen, denn ich weiss, dass 80 Prozent aller Jobs und Aufträge über Netzwerke vergeben werden. Meiner Meinung nach gehen die bestehenden Plattformen zu wenig auf die Bedürfnisse von selbstständigen Frauen als Einzelunternehmerinnen ein. Ausserdem fällt es Frauen meistens sehr schwer, richtig zu netzwerken, wenn es ums Geschäft geht. Sie stellen sich nicht ins Zentrum und können schlecht um Unterstützung anfragen. Sie sind viel zu bescheiden.

Welches Bedürfnis haben die Unternehmerinnen an den Events?
Die Frauen starten ihr Business meistens aus einer Leidenschaft heraus, doch häufig fehlt es ihnen an betriebswirtschaftlichem Know-how. Das hindert sie daran, ihr Geschäft erfolgreich zu entwickeln. An den Events lernen sie, sich zu präsentieren, sich zu verkaufen und zu vernetzen. Unternehmerinnen Event soll darum einerseits eine Übungsplattform bieten. Darüber hinaus ergeben sich durch die Events häufig Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Teilnehmerinnen. 

Warum reichen dafür die bestehenden Netzwerke nicht aus?
Es gibt viele Netzwerkmöglichkeiten. Das Problem ist, dass Frauen an solchen Veranstaltungen  selten auf neue Leute zugehen, sie unterhalten sich lieber mit ihren Bekannten. Am Ende war es zwar ein schöner Abend, aber fürs Business hat es nichts gebracht.

Brauchen Frauen eine spezielle Förderung als Unternehmerinnen?
Ich finde schon. Die meisten Frauen, die sich selbstständig machen, befinden sich in der zweiten Lebensphase. Sie bringen viel Berufserfahrung und Kompetenzen mit, die sie in die Wirtschaft hineintragen können – vor allem im Coaching, Gesundheits-, Ernährungs- oder Wellnessbereich. Oft scheitert es aber daran, dass sie ihr Business nicht auf den Boden bringen. Sie wissen nicht, wie sie nachhaltig zu Kunden kommen, wie sie sich im Markt positionieren oder wie sie gegen aussen kommunizieren sollen.

Wie unterstützen Sie die Selbstständigkeit der Frauen?
Zentral ist, dass die Unternehmerinnen lernen, sich richtig zu positionieren, damit sie und ihr Angebot wahrgenommen werden und dass sie nicht alles selber machen müssen. Dieser Anspruch  ist ein häufiges Handicap von Frauen. Dadurch verlieren sie Zeit und können sich schlecht aufs Kerngeschäft konzentrieren. Die Buchhaltung oder das Marketing kann man aber outsourcen. Vielleicht finden sie über unsere Plattform jemanden, der die Buchhaltung für sie erledigt. Mein Leitsatz ist stets: Gebt ab, was nicht zum Kerngeschäft gehört.

Was passiert konkret an den Events?
Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass sich Teilnehmerinnen im Vorfeld einen Referentinnen-Platz kaufen, sodass sie ihr Unternehmen auf dem Podium vorstellen können. Auch unsere Sponsoren Swiss Life und Bank Cler nutzen diese Möglichkeit von Zeit zu Zeit, um ihre Angebote für Selbstständige zu kommunizieren. Denn einige der Unternehmerinnen sind unterversichert und kennen sich im Versicherungs- und Finanzgebiet zu wenig aus.

Und wie geht es weiter?
Wir teilen uns in kleinere Gruppen von vier bis fünf Personen auf. Dann sollen die Frauen innerhalb von 30 Sekunden einander erklären, wer sie sind und was sie tun. Danach bleiben noch weitere fünf Minuten, in denen sie sich austauschen können. Anschliessend wechseln wir die Gruppen, sodass sich am Schluss alle kennengelernt und ausgetauscht haben. Schliesslich öffnen wir die Runde ins Plenum. Jede Teilnehmerin kann dann sagen, was sie im Moment braucht, um mit ihrem Business einen Schritt weiterzukommen. Auf diese Weise können sich die Unternehmerinnen direkt und unkompliziert weiterhelfen. Oft ergeben sich daraus wertvolle Kooperationsmöglichkeiten und Partnerschaften. Ausserdem gibt es an jedem Event tolle Preise von einigen der Teilnehmerinnen zu gewinnen, was zu Kundinnen und Empfehlungen führt.

Was wollen Sie mit der Eventreihe erreichen?
Ich wünsche mir, dass die Frauen ihr Potenzial ausleben können. Dass sie lernen, was es braucht, um Erfolg zu haben. Und dass sie sich in die Schweizer Wirtschaft integrieren und ein Teil davon werden.

 
Zur Person

Gründerin Sandra Liliana Schmid ist seit über 30 Jahren als Unternehmerin unterwegs. Heute führt sie die Schmid Advisory GmbH mit sieben Partnern in Zürich. Daneben hat die dreifache Mutter drei Bücher veröffentlicht.